Sterbe ich jetzt? Oder wie alles begann…

Hilfe! Was ist das nur?

2011: Ich saß im Zug auf dem Weg nach Hause. Damals arbeitete ich in einer großen Firma in Hamburg und bin täglich zwischen Schwerin und Hamburg gependelt. Mir machte die morgendliche und abendliche Zugfahrt nichts aus, morgens schlief ich die knapp fünfzig Minuten und nachmittags las ich ein Buch oder hörte Musik. Auch an diesem ganz normalen Wochentag saß ich im Zug und freute mich auf zu Hause. Beim Lesen wurde mir plötzlich komisch, ein sehr unangenehmes Gefühl breitete sich im Bauch aus. Mir wurde heiß und kalt, ich bekam Herzrasen, konnte kaum noch atmen und die Welt um mich herum war auf einmal verschwommen. Alles in mir schrie, „gleich passiert etwas ganz schlimmes! Oh mein Gott, ich glaube ich sterbe jetzt!“. Mein Instinkt befiehl mir aus der Situation zu flüchten, ich stand also schwer atmend auf und lief zur Zugtoilette. Sofort rief ich meinen Langzeitverlobten an und schilderte ihm panisch meine Situation. Er wusste überhaupt nicht was los war, genauso wenig wie ich. Das war sie, meine erste Panikattacke, die Geburtsstunde einer Reise ins Ungewisse, voller Angst und trotzdem immer mit der Hoffnung wieder „normal“ zu werden.

Herzliche Grüße, Elisa

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Über Nervenzusammenbrüche, mindestens 1 Mio. Tränen, purer Verzweiflung und einer Therapie – Teil II

Ziemlich blöde Voraussetzung für eine glückliche und entspannte Schwangerschaft, ich war immerhin fest davon überzeugt jeden Moment dahingerafft zu werden, entweder durch einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder sonstiger mit dem Tod endende Krankheit. Zu dem Zeitpunkt hatte sich meine ganze Situation schon so verschärft, dass ich nicht mal mehr die Nachrichten verfolgen konnte. Las ich einen Artikel über eine bekannte Persönlichkeit, die zum Beispiel an Krebs erkrankte oder plötzlich starb (oder erkrankt war und starb), überprüfte ich meinen Körper auf mögliche, ähnliche Symptome und fand natürlich ich immer etwas! Google war mein tückischer Berater in der Ursachenforschung verschiedener Symptome und führte mich bei jedem Wehwehchen zur Diagnose: Tod. Ich hatte mich in die ganze Sache dermaßen hineingesteigert, das ich meine Schwangerschaft leider wenig genießen konnte. 

Ich war überglücklich schwanger zu sein, nicht dass das falsch verstanden wird, jedoch war ich sehr in meinen Ängsten und Sorgen gefangen. Es wurde immer schlimmer und ich malte mir ständig irgendwelche völlig unrealistischen Horrorszenarien aus. Zum Beispiel stellte ich mir vor, wie ich in der Öffentlichkeit einfach tot umkippte und wie schrecklich es sein würde und oh, mein armes Baby. Ängste und Sorgen haben die meisten Frauen in der Schwangerschaft, vor allem wenn es die erste Schwangerschaft ist und man nicht weiß was einen erwartet. Doch bei mir war es sehr extrem und es waren eben nicht nur Gedanken, sondern die körperlichen Reaktionen in Form von Panikattacken kamen dazu, die mir meine Leichtigkeit raubten. Es dauerte nicht lange, da bekam ich von meiner Frauenärztin, nachdem ich heulend vor ihr saß, ein Beschäftigungsverbot. Auch wenn ich Zugfahren mittlerweile hasste, freute ich mich das letzte Mal in die Firma zu fahren, um meine Sachen abzuholen. Denn fest stand, in diesen Mistladen setze ich nach meiner Elternzeit keinen Fuß mehr! Aufgrund meiner Schwangerschaft wurde mein befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert und darüber war ich sehr dankbar. Zu Hause war es ein Wechselbad der Gefühle, ich war viel alleine und immer wieder besuchten mich Panikattacken, die mich verrückt machten. Trotzdem hatte ich viel Spaß und Vorfreude alles für das Babymädchen vorzubereitet und einzurichten.

Ich konnte es selbst kaum glauben, aber ich überlebte die Geburt und brachte eine kerngesunde Tochter zur Welt. Ehrlich gesagt erwartete ich bei meinem Glück eine Wochenbettdepression, jedoch keine Spur von miesen, fiesen Gefühlen und negativen Gedanken, ganz im Gegenteil, ich war einfach glücklich! Glücklich, glücklich, glücklich! Voll und Ganz konzentrierte ich mich auf mein kleines Wintermädchen und umsorgte sie mit viel Liebe und Geduld. Für Panikattacken hatte ich einfach keine Zeit mehr, gerade die ersten Wochen mit der kleinen Raupe Nimmersatt waren sehr intensiv und wir mussten uns erstmal kennenlernen und einen Rhythmus finden, da blieb kaum Zeit zu duschen. Trotz des wenigen Schlafs und allen anderen Umstellungen die ein Baby so mit sich bringt, war ich erleichtert und froh, diese „Psycho-Phase“ überstanden zu haben. Etwa drei Monate vergingen und ich verschwendete keinen Gedanken mehr an die gruselige Zeit vor der Geburt, bis mich eines abends aus heiterem Himmel eine heftige Panikattacke überrollte. Ich war alleine, mein Baby schlief lieb neben mir und ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Mein Herz stolperte und schlug wild durcheinander, ich bekam keine Luft mehr und ein Engegefühl in der Brust schien mich zu erdrücken. Panisch rief ich den Notarzt.

Danke das du meine Geschichte mitverfolgst, in wenigen Tagen geht’s weiter mit Teil III.

Herzliche Grüße, Elisa

Über Nervenzusammenbrüche, mindestens 1 Mio. Tränen, purer Verzweiflung und einer Therapie – Teil I

Im Auftaktpost habe ich kurz den Start meiner nicht gebuchten Reise beschrieben, nun möchte ich berichten, was in den letzten 6 Jahren passiert ist. 

Am Tag meiner ersten Panikattacke kam ich also völlig fix und fertig nach Hause. Zwischenzeitlich hatte ich mich auch wieder beruhigt, fest stand aber, diese ganze „Sache“ hat mir so eine scheiß Angst eingejagt, das ich mich dringend untersuchen lassen wollte. Diese Gefühle und körperlichen Symptome während einer Panikattacke sind so erschreckend und vor allem angsteinflößend, dass man so etwas nie wieder erleben möchte! Ich war Anfang zwanzig und wusste nicht wie mir geschieht bzw. was mit mir los ist. Jedenfalls fuhr ich am nächsten Tag direkt zum Arzt und nach gründlichem Check, oh Wunder,  nichts! Ich glaube ich war dann zwei Wochen krankgeschrieben, weil ich einfach runterkommen und mich entspannen sollte. Zu der Zeit hatte ich wirklich viel Stress im Job und fühlte mich dort auch überhaupt nicht mehr wohl. Es kam wohl das Eine zum Anderen und von da an war jede Zugfahrt die Hölle für mich. Auf jeder Fahrt kamen diese scheiß Panikattacken. Es war irgendwann einfach zu viel und ich war oft beim Arzt, oft krankgeschrieben, das wiederum brachte mich auch noch in die unangenehme Situation, mich bei meinem Arbeitgeber für die vielen Fehltage rechtfertigen zu müssen. Letztendlich schlussfolgerte ich, mein Job ist der Kern des Bösen und wenn ich die Höhle des Löwen verlassen würde, würde ganz schnell wieder alles beim Alten sein. Dachte ich…

Fortan durchforstete ich Jobbörsen noch und nöcher (das Wort gibt es doch überhaupt nicht), auf der Suche nach meiner Erlösung. Pendeln kam für mich dann ja auch nicht mehr in Frage, also war das Angebot der inserierten Stellenausschreibungen rar und bis auf zwei Firmen, die nicht mal annähernd das zahlen wollten was ich mir vorstellte, ging ich mit gesenktem Kopf wieder nach Hause. Es schien hoffnungslos, ich quälte mich also weiterhin und fuhr brav zur Arbeit. Das wir zu dem Zeitpunkt schon längst in der Übungsphase für ein Baby waren, reiße ich hier nur kurz an. Nur soviel vorweg, wir übten schon länger und alles weitere zum Thema Kinderwunsch schreibe ich in einem separaten Post. Was jetzt kommt ist wohl jedem klar, ich war schwanger.

Fortsetzung folgt.

Herzliche Grüße, Elisa